Samstag, 2. September 2017

[Rezension] Underground Railroad - Colson Whitehead


    Erscheinungsdatum Erstausgabe : 21.08.2017
    Verlag : Hanser
    ISBN: 9783446256552
    Fester Einband 352 Seiten
    Sprache: Deutsch
Preis: 24,00€ 


Amerika zu Beginn des 19.Jahrhunderts. Cora lebt bereits in dritter Generation als Sklavin auf einer Baumwollplantage in Georgia.  Ihre Großmutter Ajarry stammt von der Ostküste Afrikas, wo sie geraubt und nach Amerika verschleppt worden ist. Immer wieder geriet sie an verschiedene Sklavenhändler, bis sie zur Randell-Farm kam. Dort brachte sie fünf Kinder zur Welt, von der nur Mabel, Coras Mutter überlebt hat. Eines Tages verschwindet Mabel, und lässt ihre Tochter Cora allein auf der Farm zurück.  Von nun an muss sie sich als junges Mädchen allein auf der Farm behaupten und wird immer mehr zur Einzelgängerin. Nur wegen ihrem eisernen  Überlebenswillen schafft sie es, die Hölle trotz psychischer und physischem Druck und Schmerz zu überleben. Eines Tages kommt Caesar, ein anderer Sklave der Farm zu ihr und bittet sie, ihn auf seiner geplanten Flucht zu begleitet. Nach langem Hin und Her beschließt Cora, sich ihm anzuschließen und mithilfe der „Underground Railroad“ der Südstaaten- Sklavenhölle zu entkommen und hofft auf ein freies Leben im Norden. 

„Versklavt, voller Angst, zu Tode verurteilt.“ S.265

Die „Underground Railroad“ hat als Untergrundorganisation tatsächlich existiert. Colson Whitehead hat nicht nur seinem Roman diesen Titel gegeben, sondern die Organisation physisch als Zugstrecke entstehen lassen. Dadurch kam mir das ganze Geschehen sehr plastisch und nachvollziehbar vor. 
Durch die unterirdisch verlaufende Strecke verbindet Whitehead Fluchthelfer, mit Unterschlüpfen und vielen anderen zur Flucht von Sklaven notwendigen Entitäten.  Eine tolle Idee, die für mich leider nicht ganz so gut umgesetzt wurde. Leider hatte ich das Gefühl, dass ich nicht nur Kapitel lese, sondern einzelne Abschnitte der Flucht von Cora und Caesar lese, die sehr wenig miteinander zu tun haben und sehr abgehackt wirken. Zusätzlich hatte ich zu Beginn des Buches Schwierigkeiten mit den zahlreichen Namen, da ich meist nicht wusste wer Sklave, wer Sklavenhalter ist, wer weiß oder schwarz ist, oder in Freiheit geboren wurde. Mit der Zeit hat sich das gelegt, doch dadurch hat mir zu Beginn der nötige Überblick gefehlt, da viele Personen im Laufe der Geschichte immer wieder auftauchen und zusätzlich immer neue Personen dazukommen.
Über manche Sätze bin ich regelrecht gestolpert und musste sie wegen der seltsamen Satzkonstruktion öfter lesen.  Hier weiß ich allerdings nicht wie es sich mit den „komischen“ Sätzen verhalten hätte, wenn ich zu dem Original auf Englisch gegriffen hätte.
Gut gefallen haben mir die Suchaufrufe der entlaufenen Sklaven zu Beginn mancher Kapitels. Dahinter steckt eine Kaltblütigkeit die einen echt das Blut in den Adern gefrieren lässt, wenn man daran denkt, dass dies wirklich so war. 
Die historische Thematik fand ich sehr gut fiktiv umgesetzt. Wir bekommen nicht nur die Geschichte der Protagonistin Cora geboten, sondern lernen verschiedene Schicksale kennen. Nicht alle gehen gut aus und bei einigen musste ich echt schlucken.
Rassismus und Hass sind ein allgegenwärtiges Thema. Auch wenn die Zeit der Sklaverei vorbei ist, ist der Hintergrund immer noch aktuell und „Underground Railroad“ ist sehr zu empfehlen um einen Einblick in eine im deutschsprachigen Raum unterpräsentierte Thematik zu erhalten.