Sonntag, 25. Oktober 2015

[Rezension] Sill Chronik eines Mörders - Thomas Raab





  • Aktuelle Ausgabe : 14.01.2015
  • Verlag : Droemer
  • ISBN: 9783426199565
  • Fester Einband 368 Seiten
  • Sprache: Deutsch 
  • Preis: 19,99€






Karl Heidemann wird 1982 als Sohn von Charlotte und Johann geboren. Er schreit und schreit und schreit. Nur die Spaziergänge mit seinem Vater haben eine beruhigende Wirkung auf ihn.
Bald merken seine Eltern dass Karl ein sehr sensibles Gehör  hat und aus diesem Grund immer schreit.  Sie treffen eine Entscheidung. Sie wollen ihn in einer ruhigeren Umgebung großziehen, in ihrem Keller. Dort wächst er abgeschottet von den anderen Dorfbewohnern aus.
Dem Leser wird schnell klar, dass Karl kein normales Kind ist. Der Leser begleitet Karl wie er erwachsen wird. Sein Lebenslauf wird relativ distanziert betrachtet und man erlebt die Veränderungen die der Junge durch macht bis es zur unerwarteten Eskalation kommt. Er tötet und empfindet diese eigentlich grausamen Taten als Erlösung.



Dieser Roman ist echt großartig. Man erlebt die Geschichte eines Menschen, wie er denkt und fühlt. Auch wenn es schockierend ist hat der Leser Verständnis für ihn.  Es hat mich etwas erschreckt und erstaunt dass man für einen Mörder Sympathien entwickeln kann. Dieses Buch ist kein Thriller, auch wenn der Titel es vielleicht vermuten lässt. Die vielen detailreichen Beschreibungen wirken auf den Leser sehr beklemmend.  Es wird über Emotionen berichtet, der Schreibstil wirkt dagegen eher emotionslos. Dadurch entsteht eine gewisse Distanz zu dem Protagonisten. Man weiß nicht genau was man denken und fühlen soll. Die eigene Moralvorstellung wird durcheinander geworfen.  Die facettenreiche Betrachtung des Todes regt zum Nachdenken an. Wer sich intensiv mit dem Thema Tod und Erlösung auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich diesen Roman, auch wenn er teilweise etwas langatmig ist. Ich gebe 3,5 von 5 Sterben.